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Einführung in die Historische Pragmatik (Mo 10.15– 11.45)

In diesem Seminar/Proseminar soll die Historizität des mündlichen wie schriftlichen Sprachgebrauchs zum Thema werden. Auf der Grundlage einer diskurstheoretischen (Foucault) und pragmatischen Sprachtheorie (Austin) werden Bedeutungsveränderung, Grammatikalisierung/ Pragmatisierung und Ritualisierung, Wandel von Textsorten und kommunikativen Gattungen sowie die Veränderung von Kommunikationssituationen mit ihren theoretischen und methodologischen Implikationen besprochen.

Es stellt sich die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen der Rekonstruktion historischer Bedeutung, nach der Funktion von Textbeispielen für die Theoriebildung, nach der Zusammenstellung von geeigneten Untersuchungskorpora sowie nach den Möglichkeiten der Verallgemeinerung von Aussagen über historische Sprachgebräuche.

Im Seminar werden einschlägige Arbeiten diskutiert und „Fragmente" des Liebesdiskurses (Liebeserklärungen, Liebesbriefe und andere diskursive Ereignisse) seit dem 14. Jahrhundert analysiert und zur Diskussion gestellt.

Programm

Termin

Thema / Lektüre

Studentische Mitarbeit

19.3.

Historische Pragmatik und historische Soziolinguistik

Texte bearbeiten, Thesen zusammenstellen, Fragen formulieren

26.3.

Quellenkunde und Quellenkritik

Kilian, Jörg (2002): Scherbengericht. Zur Quellenkunde und Quellenkritik der Sprachgeschichte. In: Dieter Cherubim, Karlheinz Jakob, Angelika Linke (Hrsg.): Neue deutsche Sprachgeschichte. Mentalitäts-, kultur- und sozialgeschichtliche Zusammenhänge. Berlin, New York. S. 139-165.

 

2.4.

Textsortengeschichte

Schank, Gerd (1984): Ansätze zu einer Theorie des Sprachwandels auf der Grundlage von Textsorten. In: Besch, Werner / Reichmann, Oskar / Sonderegger, Stefan (Hg.): Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. Berlin, New York: de Gruyter. (= Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 2.1). S. 761-768.

 

9.4.

Geschichte der mündlichen Kommunikationsformen

Rehbock, Helmut (2001): Ansätze und Möglichkeiten einer historischen Gesprächsforschung. In: Klaus Brinker / Gerd Antos / Wolfgang Heinemann / Sven A. Sager (Hrsg.): Text- und Gesprächslinguistik. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung. 2. Halbband. Berlin, New York: de Gruyter. S. 961-970. (= HSK 16)

 

16.4.

Korpusarbeit

Scherer, Carmen (2006): Korpuslinguistik – was ist das? In: Scherer, Carmen 2006: Korpuslinguistik. Heidelberg: Winter. S.1-15. Oder:

Schierholz, Stefan (2005): Einige grundlegende Überlegungen zur Corpuslinguistik. In: Lenz, Friedrich; Schierholz, Stefan 2005: Corpuslinguistik in Lexik und Grammatik. Tübingen: Stauffenburg.

Kurzvortrag: Scherer, Carmen (2006): Das DWDS-Kernkorpus. In: Scherer, Carmen 2006: Korpuslinguistik. Heidelberg: Winter. S. 76-80.

23.4.

Kulturhistorische Analyse von Texten als Elemente einer Schreibpraxis

Wyss, Eva L. (in print): From the Bridal Letter to Online Flirting: Changes in Text Type from the 19 th Century to the Internet Era. Journal of Historical Pragmatics.

 

30.4.

Proseminararbeiten – Fragestellung, Literaturrecherche und Korpuskonzept

Partnerarbeit

7.5.

Historische Schriftkultur (Spätmittelalter)

Tophinke, Doris (1998): Zur Schriftpraxis einer Kaufmannsfrau im Spätmittelalter - Die Briefe der Margarethe Veckinchusen. In: Bausteine zu einer Geschichte des weiblichen Sprachgebrauchs III. Brandt, Gisela (ed.). Internationale Fachtagung TU Dresden 15.-16.9.97. Stuttgart: Heinz, 5-22.

Kurzvortrag: Clauss, Elke (1993): Liebeskunst. Der Liebesbrief im 18. Jh. Weimar.

14.5.

Textelemente: Anrede im Liebesbrief (20. Jh.)

Wyss, Eva Lia (2000): Intimität und Geschlecht. Zur Syntax und Pragmatik der Anrede im Liebesbrief des 20. Jahrhunderts. In: D. Elmiger/ E. L. Wyss (Hg.): Sprachliche Gleichstellung von Frau und Mann in der Schweiz. Ein Überblick und neue Perspektiven. Neuenburg. (= Bulletin VALS/ASLA 72) 187-210.

Kurzvortrag: Ettl, Susanne (1984): Anleitungen zur schriftlichen Kommunikation. Briefsteller von 1880 bis 1980. Tübingen. (=Reihe Germanistische Linguistik 50)

21.5.

Sprachhandlungsmuster: Liebeserklärungen (19./20. Jh.)

Schikorsky, Isa (2001): “Dein bis in den Tod” – Zur Sprache der Liebe unter den Bedingungen des Krieges. In: Schierholz, Stefan J. (Hg.): Die deutsche Sprache in der Gegenwart. Fs. Dieter Cherubim. Peter Lang Verlag, Frankfurt a.M./New York/Wien. S. 69-79.

Wyss, Eva Lia (2002): Fragmente einer Sprachgeschichte des Liebesbriefs des 20. Jahrhunderts im Spannungsfeld von Sprachgeschichte, Geschichte der Kommunikation und Mediengeschichte. In Schmitz, Ulrich/Wyss, Eva Lia (Hg.): Briefkultur des 20. Jahrhunderts. Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie 64.

Kurzvortrag: Luhmann, Niklas (1981): Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität. Frankfurt a.M

28.5.

Medienvergleich als historischer Vergleich: SMS

Schmidt, Gurly/Androutsopoulos, Jannis (2004):

löbbe döch. Beziehungskommunikation mit SMS. Gesprächsforschung - Online-Zeitschrift zur verbalen Interaktion.

Ausgabe 5 (2004), S. 50-71. (www.gespraechsforschung-ozs.de)

Kurzvortrag: Channell, Joanna (1997): 'I just called to say I love you'. Love and Desire on the Telephone. Language and Desire. Encoding Sex, Romance and Intimacy. K. Harvey and S. Shalom. London. S. 143-169.

4.6.

Hist. Kulturvergleich: U.S.-amerikanische Liebesbriefe

Lystra, Karen (1989): Searching the Heart. Women, Men, and Romantic Love in Nineteenth - Century America. New York, Oxford.

Ahearn, Laura M. (2003): Writing desire in Nepali love letters.

Language and Communication, Volume 23, Number 2, April 2003, pp. 107-122(16).

11.6.

Soziokulturelle und historische Analyse von Medientexten

Wyss, Eva L. (2003): Metamorphosen des Liebesbriefs im Internet. In: Höflich, Joachim R./ Gebhardt, Julian (Hg.): Vermittlungskulturen im Wandel. Brief – E-Mail – SMS. Peter Lang Verlag: Frankfurt a.M./New York/Wien. S. 199-231.

Kurzvortrag: Döring, Nicola (1999): Romantische Beziehungen im Netz. In: Thimm, Caja (Hg.): Soziales im Netz. Wiesbaden/Opladen. S. 39-70.

18.6.

Work in Progress-Präsentationen/Schlusssitzung

 

 

Die aktive Mitarbeit im Proseminar besteht in der sorgfältigen Vorbereitung der Lektüre und der interessierten Teilnahme an der Seminardiskussion. In der Proseminararbeit wird ein kleines Korpus einer Text- oder Gesprächssorte bearbeitet. Die thematische Ausrichtung ist vorgängig mit der Dozentin zu vereinbaren.    

Sprechstunden der Dozentin: Montags 14-15 Uhr. Koordinaten: Dr. Eva L. Wyss, Deutsches Seminar, Schönberggasse 9, 8001 Zürich. elwyss@ds.uzh.ch .


Einführende Literatur:

>> Polenz, Peter v. (1999). Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Band I-III: Berlin. New York.

Keller, Rudi (1994): Sprachwandel. Von der unsichtbaren Hand in der Sprache. 2., überarb. und erw. Aufl. Tübingen: Francke (= UTB für Wissenschaft 1567), 87-107.

Linke, Angelika (1995): Zur Rekonstruierbarkeit sprachlicher Vergangenheit: Auf der Suche nach der bürgerlichen Sprachkultur im 19. Jahrhundert. In: Sprachgeschichte des Neuhochdeutschen. Hrsg.: Andreas Gardt u.a. Tübingen, S. 369-397.

Schmidt, Wilhelm (2007): Geschichte der deutschen Sprache. Ein Lehrbuch für das germanistische Studium. 10., neubearb. Aufl. Stuttgart: Hirzel.

Wolff, Gerhart (2004): Deutsche Sprachgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. Ein Studienbuch. 5., überarb. und akt. Aufl. Tübingen: Francke (= UTB 1581).

 

   
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