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2.3.12.   Semantik des Nationalen           Mi 14 Uhr

                S 2std h GH R M                            Raum B013

 

Die Reflexion des Begriffs des Nationalen ist in der aktuellen Theoriebildung eng mit dem Konzept der Moderne verbunden. Moderne wird in vielen Fällen verstanden als ein Diskurs, der durch spezifische, metaphysische und politische Ansätze und Konzepte – u.a. dasjenige der Nation – konstituiert wird. Diese Ausrichtung hat eine große Anzahl an kritischen Analy-sen hervorgebracht, eine davon ist die noch immer währende Debatte um das Verhältnis zwischen Moderne und der Postmoderne. Allerdings wurden die Grundfesten der Moderne durch postmoderne und poststrukturalistische Reflexion einer kritischen Überprüfung unterzogen. Gerade im Hinblick auf die Bestimmung von „Nation“ stellt sich in anthropologischer Theoriebildung die Frage nach der Darstellung (als semiotische Ebene), den Inszenierungen (als rhetorische Ebene) und den Funktionen (als Handlungsebene) des Nationalen in verschiedenen sprachlichen und anderen (bildlichen, nonverbalen, symbolischen) Codes. Eine konzeptionelle Grundlage, auf welcher „Nation“ konstruiert wird, ist die dichotomische Struktur der „Inklusion“ oder „Exklusion“ durch Sprache, Geschichte, Kultur und Politik. Daran knüpft sich die Zugehörigkeit zu einer Nation („Eigenes“ oder „Fremdes“ / “wir und „ihr"), beispielsweise durch staatliche – oder auch kulturelle – Politiken. So interessieren Narrative, die Ungleichheiten hervorbringen, wie auch solche, die zum Zwecke der Konstruktion harmonisch verbundener kultureller Gemeinschaften Differenzen auszugleichen versuchen.

Die Semantik des Nationalen wird im Seminar am Beispiel von “deutsch” / ”Deutschland” mit verschiedenen methodischen Verfahren und in enger Verbindung zur “deutschen” Sprachkultur (re-) konstruiert und reflektiert.

Folgende Fragen werden zu diskutieren sein: Welches ist die Bedeutung von „deutsch“ (in Kollokationen wie “deutsche Sprache”, “Deutschland” vs. “Bundesrepublik Deutschland”, “die Deutschen”)? Welches sind mögliche Synonyme bzw. Antonyme (“wir”, “die”, “unser”, “fremd”, “eigenartig”)? Gibt es Tabuisierungen? In welchen Texten und Sinnzusammenhängen wird Nationalität (im Alltag, in der Politik, in der Wissenschaft) bestimmt, zu- und umgeschrieben? Wer bestimmt und wer deutet Begriffe des Nationalen, des Transnationalen? Handelt es sich bei den Adjektiven “multinational” und “multikulturell” um Synonyme? Welches sind die verbalen und nonverbalen Praktiken, die bei der Bestimmung des Nationalen von zentraler Bedeutung sind? Welches sind die historischen, kulturellen, sozialen und kommunikativen Kontexte, in denen die Bestimmung des Nationalen wichtig wurde/werden?

Es sind ausschließlich Studierende des Hauptstudiums teilnahmeberechtigt.

Voraussetzung für den Erwerb eines Leistungsnachweises sind das vorgängige Studium der einführenden Literatur und die Mitarbeit in einer der Arbeitsgruppen (zur Vorbereitung und Durchführung eines Referats mit anschließender Dokumentation der Diskussion) und die Anfertigung einer schriftlichen Hausarbeit. Abgabefrist für die Dokumentation ist jeweils zwei Wochen nach der betreffenden Sitzung. Die Hausarbeiten werden in Absprache mit der Dozentin geschrieben und sollen bis zum 15. April abgegeben werden. Hinweise über die Seminarthemen und eine Literaturliste finden sich zu Beginn der vorlesungsfreien Zeit auf der Kommentarseite zu dieser Veranstaltung.

Wer am Seminar teilnehmen möchte, melde sich bitte per E-Mail ( wyss@uni-koblenz.de ) an. Die Anmeldung kann ab sofort erfolgen. Die Zahl der TeilnehmerInnen ist auf 40 Studierende begrenzt.

 Seminarprogramm:

 

Datum

Thema

Gruppe

Besprechungstermin

1

31.10.

Organisation – Einführung

 

 

2

7.11

Nation, Nationales, Nationalismus

 

Wessler, Knechtges

 

3

14.11.

Was bedeutet „deutsch“?

Willms, Röfler, Miedens, Keduk, Wendtland

7.11.

4

21.11.

Sprache und nationale Identität

Nan, Matthews, Fromann

7.11

5

28.11.

Fremde Wörter

Köbel, Barth, Saltie, Weissenfels

14.11.

6

5.12.

Sitzung entfällt

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--------------

7

12.12.

Luxemburgisch (Vortrag von Dr. Melanie Wagner, Univ. du Luxembourg)

Manstein, Laupes, Neubauer, Uchte

14.11.

8

19.12.

Ethnolekt

Mühl, Meyer, Otto, Hadeler, Vogtmann, Libius

21.11.

9

9.1.

Ausländerdiskurs

Winkelmann, Stoffels, Gehweiler, Bürger

21.11.

10

16.1.

Sprache der Neonazis und des Rechtsextremismus

Trochimowicz, Leich, Schuhmacher, Gratzfeld

28.11.

11

23.1.

Migrationsdiskurs

Pris, Schneider, Dietrich, Wall

28.11.

12

30.1.

Nationalismus light (Vortrag von Dr. Iris Meißner)

Beyer, Gilles, Rohland, Klaus, Ranglan

12.12.

13

6.2.

Work-in-progress

 

12.12.

14

13.2.

Abschluss-Sitzung

 

19.12.

 

a) Lektüre zur Vorbereitung des Seminars:

Busse, Dietrich (1995): "Deutsche Nation". Zur Geschichte eines Leitbegriffs im Deutschland vor und nach der Wiedervereinigung. In: Ruth Reiher (Hrsg.): Sprache im Konflikt. Zur Rolle der Sprache in sozialen, politischen und militärischen Auseinandersetzungen. (= Sprache, Politik, Öffentlichkeit, Bd. 5) Berlin/New York: de Gruyter, 1995, S. 203 - 231.

Clifford, James (1988): The Predicament of Culture: Twentieth-Century Ethnography, Literature, and Art. Cambridge, MA, Harvard University Press.

Edensor, Tim (2002): National Identity, Popular Culture and Everyday Life. Oxford / New York, Berg. (Inbesondere das Einführungskapitel: Popular Culture, Everyday Life and the Matrix of National Identity, S. 1-35)

Gardt, Andreas (2001): Das Fremde und das Eigene. Versuch einer Systematik des Fremdwortbegriffs in der deutschen Sprachgeschichte. In: G. Stickel (Hrsg.): Neues und Fremdes im deutschen Wortschatz. Jahrbuch des Instituts für deutsche Sprache 2000. Berlin, New York 2001, 30-58.

Gardt, Andreas (2002): Sprache und nationale Identität. In: Jahrbuch 2001 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Göttingen 2002, 124-132.

 

Beginn: Mittwoch, den 31. Oktober 2007

 

   
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