Diese sind nicht zuletzt auch an Kommunikationsmedien gebunden sind in denen Intimität durch Symbolizität ersetzt wird.

Im Rahmen des Vortrags werden erste Ergebnisse einer Pilotstudie, die in den Ländern Finnland, Italien, Spanien und Deutschland durchgeführt wird, unter dem Vorzeichen von Differenzen in der Perzeption von privaten und öffentlichen Domänen der Kommunikation vorgestellt. Dies geht gleichwohl über Kontexte/Situationen der Mobiltelefonie hinaus und umfasst Aspekte wie den Brief und das Briefgeheimnis, Konflikte/Streit in der Öffentlichkeit oder empfundene Regelverletzungen und Peinlichkeiten. Doch schlussendlich geht es darum, Aspekte der Beziehungskommunikation unter Bedingungen der Mediatisierung zu beleuchten. Die Mediatisierung des Liebesdiskurses findet in der Literatur und den Künsten prominente Medien: in einem anderen Sinne, als dass die Literatur als Musterbücher der Liebe herhalten sollen, werden Prozesse ästhetischer Produktivität in deren Medien und Praktiken zu einem Bildungsraum neuer Beziehungsformen

In der Mediatisierung der Liebe können Konzepte der Freundschaft, jenseits der historischen Überlast idealistischer Liebes- und Schöpfungsphilosophie beobachtet werden, die Freundschaft als eine symbolische Vollzugsform des Menschen ausbilden. Diese hält sich gleich weit entfernt von einem biologischen Reduktionismus wie von einer idealistischen Überhöhung: statt dessen wird die Rolle von Medien und Praktiken in einer philosoüphsichen Kultur betont. Mein Thema ist vor diesem Hintergrund die Frage, ob Freundschaft eine spezifische ästhetische Produktivität besitzt, die in Abgrenzung zur geschlechtlich konnotierten Idee „schöpferischen Liebe“ und von einer - historisch gesehen - männlichen Privilegierung der Künste und der Wissenschaften zu bestimmen wäre

Seit ihrer Einführung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts verkörpert die Postkarte als schriftliches Kommunikationsmedium und Inszenierung von Liebeshandlungen eine Alternative zum Liebesbrief. Gilt jener als Form des Privaten und des Abgeschlossenen, so ist der Materialität der Postkarte das Prinzip der Reduktion und Transparenz eingeschrieben. Als kleine Plattform für die Sehnsüchte nach Nähe und Kontakt, als Spiegelfläche für physisch-psychische Befindlichkeit oder als Reisbrett unterhaltsamer Kreativität kann sie als formales Pendant zu sprachlichen Phänomenen von Liebeskommunikation wie Diminutivbildungen, spontanen Neologismen und kurzatmigen Interjektionen gedeutet werden

Wie die Postkarte darüber hinaus als Träger geheimer Bedeutungsschichten funktionalisiert wird, und wie medienspezifischen Parameter im Zusammenspiel mit den sozio-situativen Umständen der Kommunikanten, den Kommunikationsbedürfnissen und der Instanz des Senders jeweils Ausformungen von Liebestexten bedingen, soll exemplarisch dargestellt werden.